Körperzusammensetzung und Gehirngesundheit: Wenn viszerales Fett die Alterung des Gehirns beschleunigt

Ein effizientes, waches und reaktionsfähiges Gehirn hängt nicht ausschließlich vom kalendarischen Alter ab. Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass eine entscheidende Rolle von der Körperzusammensetzung gespielt wird, also vom Gleichgewicht zwischen Muskelmasse und Fettgewebe. Insbesondere scheint eine reduzierte Muskelmasse in Kombination mit einem Überschuss an viszeralem Fett mit einem biologisch „älteren“ Gehirn zu korrelieren – unabhängig vom gesamten Körpergewicht.

Eine aktuelle Studie fügt der wachsenden Literatur, die den Zusammenhang zwischen Körperfett, Stoffwechsel und Gehirnfunktion untersucht, einen bedeutenden Baustein hinzu und eröffnet neue Perspektiven auf das Konzept des neurologischen Alterns und der kognitiven Prävention.

Die an der Radiological Society of North America (RSNA) präsentierte Studie

Diese Daten wurden während des jährlichen Treffens der Radiological Society of North America (RSNA) vorgestellt, einer der wichtigsten internationalen wissenschaftlichen Konferenzen im Bereich der Radiologie.

Die Forschenden untersuchten 1’164 gesunde Personen (52 % Frauen, Durchschnittsalter 55 Jahre), die sich einer Ganzkörper-Magnetresonanztomographie unterzogen. 
Mit Hilfe eines künstlichen Intelligenz-Algorithmus wurden quantifiziert:

  • Muskelmasse
  • viszerales Fett
  • subkutanes Fett

Diese Parameter wurden anschliessend mit weiteren KI-Modellen verglichen, die zur Schätzung des Gehirnalters anhand von MRT-Bildern verwendet werden.
Ergebnis: Personen mit höherer Muskelmasse und einem niedrigeren Verhältnis von viszeralem Fett zu Muskelmasse zeigten ein jünger wirkendes Gehirn.
Das subkutane Fett (direkt unter der Haut gelegen) hingegen zeigte keinen signifikanten Zusammenhang mit der Gehirnalterung.

Warum viszerales Fett anders ist als andere Fettarten

Aus biologischer Sicht ist viszerales Fett kein einfacher Energiespeicher. Es ist ein metabolisch aktives Gewebe, das Moleküle produziert, welche den gesamten Organismus beeinflussen.

Insbesondere ist viszerales Fett assoziiert mit:

  • Produktion von pro-inflammatorischen Zytokinen
  • chronischer niedriggradiger Entzündung
  • erhöhter Insulinresistenz
  • Veränderungen der Gefässfunktion

Alle diese Faktoren wurden in zahlreichen Studien auch mit Prozessen des kognitiven Abbaus und der Gehirnalterung in Verbindung gebracht.

Die schützende Rolle der Muskelmasse

In den letzten Jahren wird die Muskelmasse immer mehr als ein echtes endokrines Organ betrachtet. Muskeln produzieren nämlich verschiedene Substanzen, sogenannte Myokine, die an der Regulation beteiligt sind von:

  • systemischer Entzündung
  • Glukosestoffwechsel
  • Gefässgesundheit
  • Kommunikation zwischen Muskeln und Gehirn

Eine gute Muskelmasse scheint daher die negativen Effekte des viszeralen Fetts abzuschwächen, auch auf Gehirnebene. Dieses Konzept ist zentral in der modernen Forschung zum Healthy Aging.

Nicht nur Gewicht, sondern Gleichgewicht

Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Körpergewicht allein ein unvollständiger Indikator ist. Entscheidend ist das Gleichgewicht zwischen Fettmasse und Muskelmasse.

Was wir aus diesen Daten lernen können

Es ist wichtig zu betonen, dass es sich um beobachtende Studien handelt, die Zusammenhänge zeigen, jedoch keine direkte Ursache-Wirkung-Beziehung herstellen.

Die Ergebnisse sind jedoch konsistent mit einer breiten wissenschaftlichen Literatur, die zeigt, dass:

  • regelmässige körperliche Aktivität, insbesondere muskelstimulierende Bewegung
  • ein Lebensstil, der die Ansammlung von viszeralem Fett begrenzt
  • ein Gesundheitsansatz, der über den reinen Body-Mass-Index (BMI) hinausgeht

alle Faktoren sind, die mit einem günstigeren Alterungsprozess verbunden sind – auch in Bezug auf das Gehirn.

Zusammenfassung

  • Viszerales Fett ist mit einem biologisch älter wirkenden Gehirn assoziiert
  • Das Verhältnis zwischen viszeralem Fett und Muskelmasse ist ein Schlüsselindikator
  • Subkutanes Fett zeigt keinen vergleichbaren Zusammenhang mit der Gehirnalterung
  • Die Körperzusammensetzung ist aussagekräftiger als das Gesamtgewicht
  • Muskeln und Gehirn kommunizieren offenbar stärker miteinander als bisher angenommen

Häufige Fragen (FAQ) – Körperzusammensetzung und Gehirngesundheit

Kann viszerales Fett das Gehirn wirklich beeinflussen?

Ja, verschiedene beobachtende Studien zeigen, dass ein Überschuss an viszeralem Fett mit Prozessen der systemischen Entzündung, metabolischen Veränderungen und Gefässfunktionsstörungen verbunden ist, Faktoren, die sich auch auf die Gehirnfunktion und das neurologische Altern auswirken können. Es handelt sich nicht um einen direkten Ursache-Wirkungs-Zusammenhang, sondern um eine zunehmend gut dokumentierte Korrelation.

Was ist wichtiger: Körpergewicht oder Körperzusammensetzung?

Neuere Erkenntnisse legen nahe, dass die Körperzusammensetzung (das Verhältnis zwischen Muskelmasse und Fett, besonders viszeralem Fett) aussagekräftiger ist als das reine Gewicht oder der BMI. Zwei Personen mit gleichem Gewicht können sehr unterschiedliche metabolische und neurologische Profile haben.

Spielt Muskelmasse auch eine Rolle für die Gehirngesundheit?

Ja. Muskelgewebe gilt heute als metabolisch aktives Organ, das Myokine produziert, welche an der Regulation von Entzündung, Glukosestoffwechsel und Gefässfunktion beteiligt sind. Diese Mechanismen sind auch wichtig für den langfristigen Erhalt einer guten kognitiven Funktion.

Gibt es neben Bewegung auch Nährstoffe, die kognitive Funktionen unterstützen?

Ein aktiver Lebensstil bleibt der wichtigste Pfeiler. Im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung stehen einige Nährstoffe im Fokus der Forschung, da sie eine Rolle im Energiestoffwechsel, beim Schutz vor oxidativem Stress und in der Funktion des Nervensystems spielen.

Welche Inhaltsstoffe werden häufig in Nahrungsergänzungsmitteln für mentales Wohlbefinden verwendet?

Zu den am meisten untersuchten und genutzten Zutaten für die kognitive und mentale Unterstützung gehören:

  • Phosphatidylserin, ein natürlicher Bestandteil von Zellmembranen, besonders reichlich im Nervengewebe
  • Acetyl-L-Carnitin, beteiligt am zellulären Energiestoffwechsel
  • L-Tyrosin, eine Aminosäure und Vorläufer von Neurotransmittern wie Dopamin und Noradrenalin
  • B-Vitamine (wie B6, B9 und B12), die zu einem normalen Energiestoffwechsel und zur Verringerung von Müdigkeit beitragen
  • Pantothensäure (Vitamin B5): trägt zu normalen geistigen Leistungen bei
  • Spezifische Antioxidantien, darunter Spermidin, die helfen können, oxidativen Stress auf zellulärer Ebene zu verringern
  • Salbei, Bacopa: traditionell genutzt und erforscht zur Unterstützung von Gedächtnis, kognitiver Leistungsfähigkeit und Konzentration